Manchmal bricht das Leben ein
Manchmal bricht das Leben ein.
Manchmal häuft sich so vieles auf einmal, dass ein Gedanke entsteht, der kaum auszusprechen ist:
Dass etwas grundlegend nicht stimmt. Nicht nur die Situation. Vielleicht ich selbst.
Dieser Gedanke ist nachvollziehbar. Und er macht das, was ohnehin schon schwer ist, noch schwerer.
Viktor Frankl überlebte vier Konzentrationslager.
Auschwitz. Kaufering. Türkheim. Dachau.
Er verlor seine Frau, seine Mutter, seinen Bruder. Fast alles, was er hatte.
Was er nicht verlor, beschrieb er später so:
Die letzte menschliche Freiheit ist die Freiheit, seine Haltung zu dem zu wählen, was einem widerfährt.
Das ist kein Trost. Es ist eine Beobachtung. Und eine der schwersten, die es gibt.
Frankl hat nicht behauptet, dass das leicht ist. Er hat nicht behauptet, dass Schmerz verschwindet, wenn man ihm eine Bedeutung gibt.
Er hat beschrieben, was möglich bleibt, auch wenn fast alles wegbricht.
Es gibt ein bekanntes Bild aus der Psychotherapie:
Ein Zwanzig-Euro-Schein wird gezeigt. Zerknüllt. Auf den Boden geworfen. Zertreten. Wieder aufgefaltet.
Der Wert? Zwanzig Euro.
Eine Krise verändert nicht den Wert eines Menschen. Sie hinterlässt Spuren. Sie erschöpft. Sie erschüttert.
Manchmal über sehr lange Zeit.
Aber sie sagt nichts darüber aus, wer jemand ist.
Tiefe Lebenskrisen sind kein Zeichen, dass etwas grundlegend falsch läuft.
Sie sind Teil eines Lebens, das wirklich gelebt wird.
Frankl hat das nicht weggedacht.
Er hat es ausgehalten.
Und dabei etwas gefunden, das nicht wegzunehmen war.
Nicht Glück. Nicht Auflösung.
Sondern eine innere Bewegung.
Die Freiheit, dem gegenüber eine Haltung einzunehmen, was einem widerfährt.
Auch dann, wenn man sich das nicht ausgesucht hat.
Auch dann, wenn es lange dauert.
Und der Ausgang offen bleibt.
Wer mehr lesen möchte: Viktor Frankl — …trotzdem Ja zum Leben sagen.

