Der Wunsch, etwas zu verändern, ist oft schon Teil des Problems
Viele Menschen erleben, dass sie sich verändern wollen – und doch immer wieder an denselben Punkten landen.
Sie nehmen sich vor, weniger Angst zu haben. Sie wünschen sich, weniger traurig zu sein. Anders zu reagieren als bisher.
Und gleichzeitig zeigt sich oft etwas anderes:
Je stärker der Versuch wird, bestimmte Gefühle loszuwerden, desto hartnäckiger bleiben sie bestehen.
Der Wunsch nach Veränderung wirkt auf den ersten Blick sinnvoll. Und doch bringt er häufig eine bestimmte Haltung mit sich: So, wie es gerade ist, sollte es nicht sein.
Damit entsteht eine innere Bewegung, die oft unbemerkt bleibt:
Ein Teil nimmt etwas wahr – Angst, Anspannung, Erschöpfung.
Ein anderer Teil richtet sich dagegen und versucht, dieses Erleben zu verändern oder zu beenden.
Es geht dann nicht mehr nur um das Gefühl selbst, sondern um den Umgang damit.
Das Gefühl wird nicht einfach erlebt, sondern gleichzeitig bewertet und zurückgewiesen.
In diesem Moment entsteht ein innerer Konflikt.
Nicht nur das Gefühl ist da, sondern auch der Versuch, es nicht da sein zu lassen. Und genau das verstärkt oft die Intensität des Erlebens.
Der Versuch, etwas nicht mehr zu fühlen, lässt es nicht verschwinden. Er hält es im Vordergrund. Was dabei zurückgewiesen wird, ist ein Teil des eigenen Erlebens.
Wenn diesem Teil mit Ablehnung begegnet wird, entsteht zusätzlicher Druck. Und dieser Druck wirkt sich wiederum verstärkend aus.
Was würde passieren, wenn Sie einen Moment lang etwas anderes ausprobieren?
Wenn das, was auftaucht, nicht sofort verändert werden muss.
Wenn unangenehme Gefühle zunächst einfach als das gesehen werden, was sie sind.
Nicht angenehm, vielleicht sogar schmerzhaft – aber nicht falsch.
Das bedeutet nicht, sich nicht verändern zu wollen. Veränderung geschieht ohnehin ständig.
Die Frage ist eher, wodurch sie entsteht.
Ob aus dem Versuch heraus, etwas in sich zu beseitigen, oder aus einem genaueren Wahrnehmen dessen, was bereits da ist
Denn manchmal liegt das, was sich festgefahren anfühlt, nicht im Gefühl selbst – sondern in der Art, wie damit umgegangen wird.

